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 Fünfzig Jahre Kirchbau in Colbitz

  •  .. und bauten Gott ein Haus
     Colbitz – bekannt als Ort am Rande der Colbitz-Letzlinger Heide mit einer Brauerei – hat auch eine kleine katholische Kirche. Diese Tatsache wäre nicht weiter erwähnenswert. Doch wurde der Bau dieser Kirche zu einer Protestdemonstration gegen einen Staat, der so etwas ablehnte, weil, wie es 1960 hieß, „ wir der Überzeugung sind, dass in Colbitz keine katholische Kirche notwendig ist.“ Etwa 800 Katholiken lebten nach 1945 in und um Colbitz. Regelmäßig kam der Pfarrer von Wolmirstedt in die evangelische Kirche des Ortes zum Gottesdienst. 1955 ernannte Weihbischof Friedrich Maria Rintelen einen eigenen Geistlichen für Colbitz mit dem Auftrag, dort einen Kirchraum einzurichten. 1956 gelang es ein Grundstück mit einer Scheune zu erwerben, die zu einer Kirche umgestaltet werden konnte. Colbitz wurde im gleichen Jahr Kuratie. Nun begannen die Schwierigkeiten von staatlicher Seite. Erst wurde die Genehmigung zum Kauf verzögert. Nach dem Eintrag in das Grundbuch sollte der Umbau beginnen. Der Bauantrag wurde abgelehnt und ein erneuter Antrag trotz etlicher Erinnerungen nicht mehr beantwortet. So begann Kuratus Feldmann 1959 mit ersten Umbauarbeiten. Nun erschien der Kreisstaatsanwalt in Colbitz und drohte den Handwerkern Ermittlungsverfahren an und dem Kuratus eine Strafe von 500 Mark. Obwohl die Arbeiter von der Baustelle verwiesen wurden, gelang es doch, den Bau im Dezember 1959 im Rohbau fertig zu stellen. Immer wieder erschienen Polizei, Staatsanwaltschaft und Stasi-Angehörige, um das Baugeschehen zu stoppen. Schließlich wurde der Kirchenbau am 2. September 1960 versiegelt. Am Tag darauf wurde der Kuratus nach Wolmirstedt beordert. Er weigerte sich aber Colbitz zu verlassen, da bei der Kirche Fuhrwerke ankamen, die das Baumaterial abtransportieren sollten. Die Fuhrleute hatten allerdings unter sich abgemacht, kein Material anzurühren. Nun versuchte der Staatsanwalt Kuratus Feldmann in sein Auto zu zerren. Da kein Verhaftungsbefehl vorlag, wehrte sich dieser energisch, wurde aber von vier Staatsfunktionären gepackt und zum Auto gezerrt. In diesem Augenblick griffen Frauen und Männer aus der Gemeinde ein. Es gab ein Handgemenge zwischen etwa zwanzig Personen mit Verletzungen auf beiden Seiten. Inzwischen hatten sich etwa 300 Personen eingefunden, die den Konflikt verfolgten. Da der Staatsanwalt erkannte, dass er mit Gewalt nicht weiterkomme, bestellte er den Kuratus am Nachmittag auf das Gemeindebüro. Vor dem Büro versammelten sich wieder etwa 300 Personen. Sie warteten dort solange, bis der Geistliche die Amststube als freier Mann verließ. Am Ende wurde zwischen dem Bischof und den Behörden vereinbart, den Seelsorger zu versetzen und dann den Umbau der Kirche abzuschließen. So wird verständlich, dass die katholische Kirche in Colbitz im Ort zu einem Zeichen des Widerstandes gegen ein ungerechtes Regime wurde und sich so bis heute im Bewusstsein der Dorfbevölkerung eingeprägt hat. Fünfzig Jahre sind seit dem ersten Gottesdienst in der Kirche vergangen. Vieles hat sich geändert. Die Zahl der Gemeindemitglieder sank so stark, dass die Kuratie schon 1982 aufgehoben wurde. Die Eucharistie wird selten gefeiert, immer aber am Tag des Kirchenpatrons, des hl. Nikolaus von der Flüe. Heute gibt es am Ort nur noch wenige katholische Christen. Sie haben sich zusammengeschlossen, um ihre Kirche zu erhalten, auch wenn von der Pfarrei St. Christophorus in Haldensleben dafür keine finanziellen Mittel bereitgestellt werden können. Immer wieder wird der Kirchenraum für Konzerte und Ausstellungen genutzt, um die Menschen unserer Zeit grundsätzlich auf die Kirche hinzuweisen. So gibt es allen Grund, den Anfang dieser Kirche vor fünfzig Jahren zu feiern. Am Sonnabend, den 14. August wird um 14.00 Uhr in Colbitz ein festlicher Gottesdienst gehalten, dem sich ein frohes Zusammensein auf dem Gelände anschließt.

Wolmirstedt, am 30.07.2010 Peter Zülicke


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